“Unendlich – Seelenmagie 1” hat die 100. Rezension erhalten – fünf Sterne! Zur Feier des Tages habe ich heute etwas ganz besonderes für dich:

Einen exklusiven Ausschnitt aus “Verirrt – Seelenmagie 2”.

Es ist die Stelle, die ich auf der Leipziger Buchmesse gelesen habe, sie stammt aus dem ersten Drittel des Romans.

ACHTUNG: Wer Teil 1 noch nicht gelesen hat, könnte hier ganz leicht gespoilert werden.

Vorgeschichte

Ich möchte nicht spoilern deswegen verrate ich nur so viel: Lena hat eine von Cays Erinnerungen gesehen, die er nicht mit ihr teilen wollte. Es war keine Absicht, dennoch ist er nicht begeistert.

Ausschnitt aus “Verirrt – Seelenmagie 2”

[…]

„Willst du darüber reden?“, fragte Lena.
„Nein.“ Er sah sie an. „Ich wollte nicht, dass du es siehst und ich will ganz sicher nicht darüber reden.“
„Vielleicht würde es helfen.“
„Du willst mir helfen?“
„Ja, natürlich will ich das. Kannst du das nicht verstehen? Jeden Tag sehe ich, wie sehr es dich quält. Jeden einzelnen Tag. Ist es da so schwer zu glauben, dass ich dir helfen will?“
„Du willst also alles wissen? Dann werde ich es dir zeigen. Jetzt gleich. Nimm den verdammten Zauber und ich zeige dir alles, was du wissen musst.“
Unwillkürlich wich sie ein Stück zurück.
Er packte sie am Arm, so fest, dass sie zusammenzuckte. Es war nicht sein brutaler Griff, der sie erschreckte. Es waren die Wut und der Schmerz in seinen Augen. Der düstere Abgrund seiner Erinnerung.
„Was ist? Hast du etwa Angst, dass du etwas sehen könntest, was du nicht ertragen kannst?“ Der beißende Spott in seiner Stimme drang ihr ins Herz. Vielleicht war das schlimmer als alles andere: dass er ihr nicht zutraute, es auszuhalten.
Sie hob das Kinn und sah ihm fest ins Gesicht. „Ja. Ich habe Angst. Schreckliche Angst. Es wäre dumm, keine Angst zu haben. Ich kenne dich. Du bist stark, du lässt dich von nichts erschüttern.“ Sie bemühte sich, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. Ihn nicht hören zu lassen, wie groß ihr Entsetzen wirklich war. „Wie schrecklich muss etwas sein, das dich so quält.“
Stumm sah er sie an. Er hielt sie noch immer fest, doch seine Finger gruben sich nicht mehr so unbarmherzig in ihre Haut.
„Nein. Ich will es nicht sehen. Trotzdem werde ich es tun. Wenn du es wirklich willst, werde ich mir alles ansehen und ich werde es ertragen, irgendwie.“ Ihre Stimme schwankte.
„Ist das dein Ernst?“, fragte er tonlos, als könnte er es kaum glauben.
Sie schluckte schwer. „Ja.“ Sie sah, dass er es bemerkte – das Zittern ihrer Hand. Die Angst, dass er ihr alles zeigen würde, hier und jetzt. „Ja. Jetzt sofort, wenn du es wirklich willst.“

***

Cay starrte auf Leonoras Hand. Anfangs war er nur wütend gewesen. Er hatte nicht wirklich vorgehabt, seine Erinnerungen mit ihr zu teilen. Nicht diese Erinnerungen. Was sie bereits wusste, was sie durch seine Augen gesehen hatte, war schon genug. Zu viel. Er sollte sie loslassen.
Stattdessen schloss er seine Finger wieder fester um ihren Arm. Er hatte zwar nicht vorgehabt, all das mit ihr zu teilen, doch jetzt wünschte er es sich. Er sehnte sich plötzlich danach, als wäre ihm erst jetzt bewusst, wie sehr er es brauchte. Zum ersten Mal in seinem Leben hielt er es für möglich, dass es helfen konnte, es jemandem zu erzählen. Nein. Nicht jemandem. Ihr. Nur ihr. Weil sie wusste, wie es war, alles zu verlieren. Weil sie wusste, was er getan hatte und trotzdem bei ihm war. Weil sie alles für ihn aufgegeben hatte.
Er sah das Vertrauen in ihrem Gesicht und den Wunsch, dass er ihr ebenso vertraute wie sie ihm. Er sah auch die Angst in ihren Augen. Die Angst vor der Wahrheit, die in den Tiefen seiner Seele lauerte. Langsam ließ er ihre Hand sinken. Er konnte das nicht von ihr verlangen. Er konnte nicht noch mehr von ihr nehmen.
„Nein.“
Ihre offensichtliche Erleichterung schnitt ihm ins Herz.
„Wirklich?“
„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Du hast schon genug getan.“ Und zum Dank würde er sie mit sich in den Tod reißen.

“Verirrt – Seelenmagie 2” erscheint im Juli 2015 bei Bookshouse.

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