ACHTUNG: Dieser Artikel ist von meinem alten Blog hierher umgezogen und muss noch mit Fotos versehen werden, die im Moment noch fehlen.

Mein Programmheft mit den Unterschriften von Mark und Roberta.

Altmodisch, verstaubt und langweilig – ein Versuch, einem jüngeren Publikum eine Art klassische Musik unterzujubeln – ein besseres Musikantenstadl mit Helene Fischer im Fieberrausch.

Das fällt vielen Leuten ein, wenn man sie fragt, was sie von Musicals halten. Bei einem Musical wie Elisabeth kommt dieser Verdacht natürlich besonders leicht auf – eine Geschichte, die vor über 100 Jahren spielt in Kostümen der damaligen Zeit – das klingt nicht besonders spannend, sondern eher nach dem üblichen Opernkram. Weit gefehlt!

Na gut, die Kostüme erinnern ein wenig an die Oper und … na ja, Helene Fischer hatte mal einen Auftritt als Elisabeth, aber das lassen wir jetzt einfach mal unter den Tisch fallen. 😉

Wenn du denkst, dass du genug über Sissi weißt, weil du die Filme mit Romy Schneider gesehen hast, oder wenn du glaubst, dass eine Geschichte, die in der Vergangenheit spielt, keine rockige Musik haben kann, oder wenn du nur englische Musicals für sehenswert hältst – dann lies weiter! Lass dich von mir vom Gegenteil überzeugen, und dir beweisen, dass es eine Schande wäre, das Musical zu verpassen.

Wenn du sowieso schon ein Fan von Elisabeth bist, dann lies trotzdem weiter, denn du findest hier sieben richtig gute Gründe, die jeden überzeugen, dass du dir das Musical unbedingt noch mal anschauen musst. Und noch mal. Und dann vielleicht … noch mal.

7 Gründe, warum du dir Elisabeth ansehen solltest
Mark Seibert und Roberta Valentini in Elisabeth – das Musical

Ja, ich weiß, manche werden jetzt sagen: Mark Seibert, Mark Seibert, Mark Seibert, Mark Seibert, Mark Seibert, Mark Seibert und Mark Seibert. Sicher sieben ziemlich gute Gründe, das gebe ich zu. Allerdings wird das dem Musical absolut nicht gerecht, denn es gibt noch viel anderes, was es zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Hier kommen also meine 7 Gründe für dich:

1. Eure Sissi war in Wirklichkeit ein mieser Egoist

Nicht meine Worte, sondern die von “Luigi Lucheni”, der den Zuschauer durch das Musical führt und ihn mit der schonungslosen Wahrheit über das Leben der von vielen romantisierten Kaiserin Elisabeth konfrontiert.

Dass Sissi nicht die engelhafte Vorbildfigur war, für die man sie lange Zeit hielt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Auch, dass ihre Ehe nicht glücklich und die Beziehung zu ihrer Schwiegermutter Erzherzogin Sophie mehr als schwierig war, wurde schon in den alten Filmen mit Romy Schneider thematisiert.

Das Musical geht jedoch noch viel weiter und zeigt die Lebensgeschichte von Sissi aus den Blickwinkeln mehrerer Figuren, deren Beweggründe man am Ende alle nachvollziehen kann. Das ist für mich wohl einer der größten Pluspunkte des Musicals:

Obwohl es offen und schonungslos ehrlich ist, obwohl vor allem Lucheni kein Blatt vor den Mund nimmt, gelingt es, die Geschichte wertfrei darzustellen, so dass am Ende die Frage nach der Schuld unbeantwortet bleiben muss.

Der Zuschauer wird mit einer ordentlichen Portion Wehmut und mit der Erkenntnis zurückgelassen, dass das Leben seine sinnlosen, planlosen Wege geht, ob wir wollen oder nicht. Es bleibt auch das Gefühl, dass einem eine Last von den Schultern genommen wurde, denn oft können wir nicht voraussehen, welche Folgen unsere Entscheidungen haben werden.

2. Der sympathischste Mörder der Welt

Der Mörder der von allen geliebten Kaiserin Sissi soll die Sympathie der Zuschauer gewinnen und durch das Musical führen?

Wer kommt eigentlich auf so eine durchgeknallte Idee? Das könnte man sich fragen, doch schon nach den ersten Liedern wird einem klar, wie genial dieser Einfall war.

Das Musical beginnt mit einer Szene, in der Luigi Lucheni – über 100 Jahre nach seinem Tod – befragt wird, warum er Elisabeth umgebracht hat. Er behauptet, sie hätte es gewollt und will dies anhand von Rückblicken – den einzelnen Szenen des Musicals – beweisen.

Wir begleiten Sissi also, erleben ihre Liebe zu Franz-Joseph, die langsam aber sicher zerstört wird, ihren Versuch, sich von den strengen Regeln des Hofes und der Tyrannei ihrer Schwiegermutter zu befreien, und ihre unglaubliche Einsamkeit in einem Heer von Bediensteten. All das würde dazu verleiten, Elisabeth ausschließlich als Opfer zu sehen, wären dazwischen nicht immer wieder die unbarmherzig ehrlichen Szenen von Lucheni. Er zeigt die andere Sichtweise auf Elisabeth, die Sicht auf die Monarchin, die in Milch badetete, obwohl ihr Volk hungerte. Die Mutter, die ihren Sohn im Stich ließ, weil sie vor allem an sich selbst dachte. Die Kaiserin wider Willen, deren unstillbarer Hunger nach Leben sie schließlich dazu brachte, sich nach dem Tod zu sehnen.

3. Der Tod als Liebhaber
Mark Seibert und Roberta Valentini in Elisabeth – das Musical

Hey, ich glaube, davon, dass das ein richtig guter Grund ist, das Musical zu sehen, muss ich niemanden überzeugen, oder? Immerhin stehen die meisten von uns auf die bösen Jungs, weil sie Charisma haben und meist vielschichtige, interessante Figuren sind, die ein Hauch von Gefahr umgibt.

All dies trifft auch hier zu, doch – wichtig für alle, die jetzt schon mit den Augen rollen – die Liebesgeschichte mit dem Tod ist so viel mehr als nur ein Versuch, ein jüngeres Publikum durch einen sexy Kerl und eine Portion Romantik für die Geschichte von Sissi zu begeistern.

Vor allem ist es eine geniale Metapher für Sissis suizidale Tendenzen, für ihren Wunsch zu sterben, der immer ausgeprägter wurde, aber auch für ihren Lebenswillen, der sie immer wieder davon abhielt, dem Werben ihres “schwarzen Prinzen” nachzugeben.

Die Szenen mit dem Tod sind schön genug, um ein wenig zu schmachten (na gut, auch ein wenig mehr 😉 ), gleichzeitig wird aber nichts romantisiert. Der Tod ist zwar Sissis Liebhaber, aber er ist dennoch der Tod, der ihr zwei von ihren Kindern nimmt, grundlos, sinnlos und vollkommen wertfrei.

Sissi ist auch nicht das dumme, junge Ding, das den gefährlich gutaussehenden älteren Kerl anschmachtet. Sie weiß genau, wofür er steht und sie weiß auch, was es bedeutet, wenn sie sich ihm hingibt.

4. Rockmusik in Korsett und Monokel

Die Musik von Elisabeth konnte sogar meinen Mann begeistern, der eigentlich mehr auf Hard Rock und Heavy Metal steht.

Neben wunderschönen Balladen (Ich gehör nur mir) bietet das Musical auch rockige Nummern, die einen von den Sitzen reißen (Kitsch) und düstere Duette, die einem noch tagelang nachhängen (Die Schatten werden länger (Rudolf und Tod) )

Wer einen guten Querschnitt der Musik von Elisabeth bekommen möchte, kann sich dieses wirklich sehenswerte offizielle Video der Vereinigten Bühnen Wienansehen. (Mark Seibert als Tod.)

5. Live ist immer besser!

Du kennst die Geschichte, du kennst die Musik – wozu also jetzt noch Geld fürs Theater ausgeben? Das habe ich mich ehrlich gesagt auch gefragt.

Eigentlich habe ich mir die Karten nur zu Weihnachten gewünscht, weil ich die CD früher in Endlos-Schleife gehört habe und die Chance nicht verpasst haben wollte, das Musical wenigstens einmal live zu sehen. Ich habe überhaupt nichts davon erwartet, schon gar nicht, dass ein mir unbekannter Cast mit der großartigen Pia Douwes und dem unvergleichlichen Uwe Kröger mithalten könnte.

Ich hoffte einfach nur, dass es nicht viel schlechter wäre als die CD – und wurde aus den Socken gehauen.

Ein Live-Orchester, Gänsehaut-Chöre, schaurige Lichteffekte, und die unglaubliche schauspielerische Leistung bringen die wahre Brillanz der einzelnen Songs erst zum Vorschein.

Die Ambivalenz der Liebesgeschichte mit dem Tod und die Sympathie für Lucheni, sie können sich nur durch das gleichzeitige Erleben von Schauspiel und Musik erschließen.

Lieder, die ich früher nicht besonders interessant fand, weil ich nicht ganz nachvollziehen konnte, was sie bedeuten, (Alle tanzten mit dem Tod, Milch) haben mich bewegt, aufgewühlt und begeistert und gehören jetzt zu meinen Lieblingen.

5. Die Darsteller – Anschmachten erlaubt

Achtung – dies ist der Sabberbereich dieses Blogartikels. Ich bemühe mich um objektive Bewertung der Darsteller und ihrer künstlerischen Leistung, es wird mir jedoch schwer fallen, da sie mich restlos begeistert haben. Sie sind definitiv einer der wichtigsten Gründe, sich das Musickal anzusehn.

Ein Musical, das seit über 20 Jahren mit großem Erfolg gespielt wird, hat viele Besetzungen gesehen, von denen alle großartig waren und ihren Rollen ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben. Jeder Fan des Musicals hat seine ganz persönliche Starbesetzung, oft eine Mischung aus verschiedenen Casts, die vielleicht so nie auf der Bühne zu sehen war. Ich möchte euch jetzt meine Star-Besetzung vorstellen, doch ich kann vollkommen verstehen, wenn ihr eine andere habt.

Mark Seibert (Tod)
Mark Seibert und Roberta Valentini in Elisabeth – das Musical

Uwe Kröger war 20 Jahre lang mein Tod und auch jetzt noch hat er einen Platz in meinem Herzen sicher. Wer weiß, ob Mark Seibert sich in meine Seele hätte spielen können, wenn ich Uwe jemals live gesehen hätte. Habe ich aber nicht und so ist nun Mark meine persönliche Starbesetzung für den Tod.

Er glänzt nicht nur durch gutes Aussehen und eine klangvolle – ich möchte sagen – prachtvolle – Stimme, sondern vor allem durch vielschichtigen Ausdruck und eine schauspielerische Leistung, die mir zusammen mit seinem Gesang ein Wechselbad der Gefühle beschert hat. Lachen, Weinen, Schrecken, Ratlosigkeit. Alles an einem einzigen Abend.

Ich könnte jetzt noch mehr schwärmen, aber ich schlage vor, ihr seht euch Mark selbst an und ich mache mit Roberta weiter. 😉

Roberta Valentini (Elisabeth)
Roberta Valentini als Elisabeth
Vielleicht kennt ihr es, dass man bei der Live-Aufführung eines Lieblingsstückes bei jedem hohen Ton und jeder schwierigen Passage Angst hat, ob das wohl gut geht.

Derartige Stellen gibt es bei Elisabeth viele. Wenn man die Musik von Elisabeth kennt und liebt, begegnet man einer neuen Darstellerin der Sissi deshalb zunächst mit Vorsicht. Wird sie meine Lieblingsstelle schaffen? Kommt sie da rauf? Hat sie genug Kraft in der Stimme? Quietscht sie vielleicht oder presst die höheren Töne raus?

Nicht so bei Roberta Valentini. Sie hat sich bereits mit den ersten Tönen mein Vertrauen verdient und mich mit ihrer Stimmgewalt begeistert. Ihr zuzuhören, wie sie “Ich gehör nur mir” singt, ist wie schweben. Auf ihrer Stimme fliegt man mühelos zu den höchsten Tonlagen, ihr Stimmvolumen trägt bis in den letzten Winkel des Saales. Ihre schauspielerische Leistung lässt einen die Geschichte von der jungen, verträumten Sissi bis zur vereinsamten, verbitterten Elisabeth förmlich am eigenen Körper spüren – oh oh, ich schwärme schon wieder. Na ja, ihr wurdet gewarnt. 😉

Kurosch Abbasi (Luigi Lucheni)

Elisabeth lebt durch den Mörder. Ich hoffe, ihr verzeiht mir dieses Wortspiel, aber es ist wahr. Die Rolle des Luigi Lucheni ist keinesfalls eine undankbare Erzählerrolle am Rande der Handlung, sondern zweifellos ein Glanzstück auf der Vita eines jeden Musicaldarstellers und es erfodert einen wirklich guten Schauspieler und Sänger, um diese ironische, aufrührerische, bisweilen schockierende Rolle zu meistern. Kurosch Abbasi ist dies mühelos gelungen und die Standing Ovations am Ende der Aufführung galten mit Sicherheit zu einem Großteil ihm.

Caroline Sommer (Frau Wolf)
Caroline Sommer als Frau Wolf

Der ganze Cast von Elisabeth und auch die Zweitbesetzungen (habe ich mir sagen lassen) sind erwähnenswert und müssten aufgeführt werden. Hier wurde nicht gespart, jede Rolle ist hervorragend besetzt und glänzt auf ihre eigene Art und Weise. Besonders die Rolle von Rudolf und Franz-Joseph begeistern durch wunderbare Gänsehautlieder. Es würde aber diesen Blogartikel sprengen, hier alle zu nennen.

Hervorheben möchte ich noch Caroline Sommer als Frau Wolf. Die Szene “In Frau Wolfs Salon” trägt nicht viel zur Handlung bei und man fragt sich, wozu sie eigentlich gut ist. Bis man Caroline Sommer als Frau Wolf erlebt. Sie hat mich wirklich vom Hocker gerissen und in mir sofort den Wunsch aufkommen lassen, es gäbe ein Spin Off mit Frau Wolf. Wahnsinns-Stimme, tolle Klangfarbe, mitreißendes Schauspiel … ups, und schon schwärme ich wieder.

6. Standing Ovations – der Rausch des Applauses

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber für mich ist ein Musical ein Gesamterlebnis, das mich von Kopf bis Fuß erfassen soll. Dazu gehört, dass ich am Ende aufspringen und vor Begeisterung jubeln will. Wenn du das auch willst – schau dir Elisabeth an, es wird dich begeistern und du wirst beim Schlussapplaus aufspringen und jubeln. Versprochen.

7. Du willst jetzt wissen, wie es ausgeht und ob wirklich stimmt, was ich hier schreibe

Du hast doch nicht bis hierhin gelesen, um NICHT zu erfahren, warum Luigi Lucheni die Kaiserin Elisabeth ermordet hat und wie die Liebesgeschichte mit dem Tod ausgeht. Außerdem fragst du dich jetzt, ob Mark und Roberta mein überschäumendes Lob verdienen und ob diese Geschichte einen wirklich so bewegt, dass sie einem tagelang nicht mehr aus dem Kopf geht.

Na, wenn das keine guten Gründe sind, sich das Musical anzusehen, dann weiß ich es auch nicht. 😉

Fazit: Viel Spaß im Theater!

(Hier geht´s zum Spielplan der Tournee. Nein, dafür bekomme ich kein Geld, aber ich kann euch ja nicht den Mund wässrig machen und dann nicht sagen, wo es lang geht. 😉 )

Zum Schluss würde ich gern noch wissen:

– wer ist “dein Tod”
– wer ist “deine Elisabeth”
– welches ist dein Lieblingslied?
– wo hast du Elisabeth gesehen?
– gehst du jetzt rein, nachdem du meinen Artikel gelesen hast?

Erzähl mir alles über deine Erfahrung mit Elisabeth! Ich bin gespannt.

Deine Alana

P.S.: Wer jetzt Helene Fischer und Florian Silbereisen als Elisabeth und Tod sehen will, wird auf Youtube fündig. Und ich finde, sie machen es gar nicht mal schlecht. 🙂

Bevor du los läufst, um dir Karten zu holen …
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Vielen Dank an Semmel Concerts für die Bereitstellung der Fotos.