Viele glauben, das Exposé wäre ein Sachtext wie eine der verhassten Inhaltsangaben oder Berichte, die wir in der Schule schreiben mussten. In der Theorie trifft das zu. In der Praxis ist ein Exposé viel mehr als das.

Es muss deine Leidenschaft und Freude an der Geschichte zum Ausdruck bringen und deutlich machen, was dich dazu bewegt hat, das Buch zu schreiben. Zeige dem Lektor oder Agenten, warum du deine Geschichte liebst. Zeig ihnen, warum die Geschichte veröffentlicht werden muss. Zeig ihnen, warum unfassbar viele Menschen diese Geschichte kaufen und lesen werden. Mach keinen stumpfen Inhaltsabriss aus deinem Exposé.

Was erwartet dich in dieser Folge?

 

Da diese Folge sehr lang ist, habe ich diesmal alle Zwischenpunkte für dich aufgelistet:

Keine Angst vor dem weißen Papier!

Wo ist der verdammte rote Faden?

Also keine Handlung im Exposé, sondern nur Entwicklung?

Wann solltest du das Exposé schreiben?

Wie lang sollte die lange Inhaltsangabe sein?

Stil und Sprache der langen Inhaltsangabe

Zeitform und Perspektive eines Exposés

Was mache ich bei mehreren Perspektiven?

Unerwartete Wendungen

Der Umgang mit Subplots

Der richtige Einstieg

Das richtige Ende

Praktische Tipps zur Vorbereitung und Erleichterung

Fazit

Keine Angst vor dem weißen Papier

Vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen und einfach anzufangen, ist wohl mit das Schwerste, was es gibt. Deswegen bin ich ein Fan von Planung und Notizen. Das nimmt dem weißen Blatt oder der leeren Datei den Schrecken. Wenn du die ersten Folgen der Serie bereits gelesen hast, bist du wahrscheinlich sowieso nicht mehr ganz am Anfang. Du hast die Eckdaten, einen Pitch und die Figurenbeschreibungen für dein Exposé bereits ausgearbeitet. Ein Anfang ist gemacht.

Nun kannst du entweder drauflos schreiben, wenn du deine Geschichte recht präsent im Kopf hast, oder du planst deine lange Inhaltsangabe erst, bevor du sie zu Papier bringst. Wie immer gilt: Es gibt kein richtig oder falsch, es gibt nur den passenden Weg für dich.

Bevor du mit dem Schreiben oder dem Planen beginnst, empfehle ich, dir darüber Gedanken zu machen, was der rote Faden deiner Geschichte ist, an dem du dich beim Schreiben entlanghangeln kannst.

Wo ist der verdammte rote Faden?

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich sehr einfach, die Bearbeitung oft knifflig, aber keine Sorge, du kriegst das hin!

Das Exposé ist die Essenz deiner Geschichte, die Darstellung des Herzstückes, in allen Teilen exponiert und ausgestellt. Vor allem aber ist es eine Darstellung der Gefühlswelt deiner Hauptfiguren.

Wer sind sie?

Was bewegt sie?

Was lässt sie handeln, wie sie es tun?

Diese Fragen treiben jede gute Geschichte an, egal, ob das Buch am Ende ein Liebesroman oder ein Thriller ist. Ob es sich um einen Klassiker der Fantasy handelt oder um die actionreiche Verfilmung eines Comics, es sind die Figuren, die eine Geschichte zu etwas einzigartigem machen.

Herr der Ringe wirkt vordergründig vielleicht wie ein Fantasyroman, der seine Wirkung aus Abenteuer, Intrigen, Mythologie und Spannung zieht. All das wäre dem Leser jedoch vollkommen gleichgültig, wenn nicht so eine unglaublich gute Charakterentwicklung stattfinden würde, die uns am Ende eine ganz eindeutige Botschaft sendet: Rebellion und Krieg machen dich kaputt. Jeden auf eine andere Art, aber du kannst nicht Held einer solchen Geschichte sein und hinterher glücklich und zufrieden dein Leben leben. Müsste ich ein Exposé für Herr der Ringe schreiben, wäre das mein roter Faden. Frodos Reise und die innere Entwicklung, die er dadurch erfährt.

Dass es die Figuren sind, die einen Roman zu etwas außergewöhnlichem machen, belegt auch Harry Potter, allerdings auf etwas andere Art. Jede Nebenfigur, die in einem unwichtigen Absatz durch die Seite schlurft, hat eine komplett ausgefeilte Hintergrundgeschichte. Sogar der Vampir von der Todestagsparty von Nearly Headless Nick wäre interessant genug für ein eigenes Buch und die Fähigkeit, den gesamten Charakter einer Figur anhand von wenigen, unwichtig scheinenden Dialogzeilen einzufangen, ist eines der Dinge, die die Harry Potter Reihe so einzigartig machen. Diese Liebe zum Detail sollte ein Exposé für Harry Potter auf jeden Fall widerspiegeln, ohne sich jedoch zu verzetteln.

Auch Comicverfilmungen, die auf den ersten Blick wie ein Werbespot für Special Effects wirken, sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil die Hauptfiguren einfache Menschen sind, die zum Beispiel zusätzlich Superkräfte haben. Superman ohne Clark Kent wäre einfach nur langweilig. Ein Exposé, das beschreibt, wie er Lois Lane fünfzig mal rettet und am Ende den Endgegner platt macht, würde sofort in den Mülleimer wandern. Ein Exposé aber, das beschreibt, wie der unsichere Peter Parker lernt, sein Dasein als Spiderman anzunehmen, wie er lernt, mit seiner Vergangenheit umzugehen und dass es Dinge gibt, die er einem Leben als Superheld opfern muss, das würde zweifelsohne auf Interesse stoßen. Genau das wäre auch mein roter Faden, müsste ich ein Exposé für Spiderman schreiben. Wie wird ein einfacher, unsicherer Teenager zu einem Superhelden mit einer Berufung und welchen Problemen muss er sich dabei stellen.

Bevor du also die lange Inhaltsangabe schreibst, überleg dir genau:

Wer ist deine Figur zu Anfang des Romans

Wer ist deine Figur am Ende

Welche Ereignisse bewirken ihre Entwicklung?

 

Das ist dein roter Faden.

 

Also keine Handlung im Exposé, sondern nur Entwicklung?

 

Nein, natürlich nicht. Die Entwicklung deiner Figur ist der rote Faden, der sich durch den Roman zieht und den Leser dazu bringt, weiterzulesen. Aber es sind die Ereignisse im Roman, die dem Leser diese Entwicklung vermitteln und ihn mit der Figur fühlen lassen und genau das gilt es, im Exposé rüberzubringen. Show, don´t tell. Zeig dem Lektor durch die Handlung deines Romans, wie sich die Figur verändert. Aber: Was für Romane gilt, gilt auch hier: Telling ist nicht böse, gut eingesetztes Telling kann bombastische Wirkung haben. In meinen Exposés zeige ich oft in einem Absatz, was passiert und sage hinterher in einem abschließenden Nebensatz, wie sich die Figur jetzt fühlt. Oft muss das aber gar nicht sein, weil sich die Gefühlslage der Figur aus dem Beginn des nächsten Absatzes ergibt.

Beispiel:

… wird ihm klar, dass er sie für immer verloren hat.

In seiner Verzweiflung sieht er den letzten Ausweg darin, sich doch noch an die Mutter seiner Angebeteten zu wenden …

Das ist vielleicht etwas überspitzt, aber ich denke, du verstehst, was ich meine. Man weiß hier sofort, dass die Figur sich im Laufe des Romans verändert hat, weil sie jetzt, aufgrund der Geschehnisse, gegen ihre eigenen Vorsätze handelt, indem sie sich an die Mutter wendet. Und verzweifelt ist sie auch noch. Es braucht hier also keine längere Erklärung, der Entwicklung deiner Figur, sie ergibt sich aus dem Ablauf des Romans.

Wann solltest du das Exposé schreiben?

Hier scheiden sich die Geister und wie immer muss jeder die für sich beste Möglichkeit finden. Ich persönlich schreibe das Exposé mittlerweile fast als allererstes. Sobald ich die grobe Handlung des Romans im Kopf habe, verfasse ich die lange Inhaltsangabe.

Für mich persönlich hat diese Methode nur Vorteile, denn:

in diesem Stadium der Romanplanung hat man noch nicht so viele liebgewonnene Subplots, die man alle unterbringen will, aber eigentlich im Exposé nicht braucht

in diesem Stadium hat man den roten Faden der Geschichte meist sehr deutlich vor Augen

da man noch nicht so viel Nebenhandlung hat, fällt es leicht, die meist geforderte Länge von zwei bis fünf Seiten einzuhalten

ist das Exposé fertig, hat man schon mal das grobe Handlungsgerüst schriftlich festgehalten (davon ausgehend entwickle ich meinen Feinplot)

die wichtigsten Ideen sind erst mal aus dem Kopf und aufs Papier gebannt

man sieht vor der weiteren Planung des Romans, ob die Handlung logisch abläuft oder ob sich Widersprüche ergeben

Für mich persönlich hat das Schreiben des Exposés vor dem Planen des Romans eigentlich nur Vorteile. Allerdings bin ich auch extremer Planungsjunkie. Für Bauchschreiber mag sich die Sache anders darstellen.

 

Wie lang sollte die lange Inhaltsangabe sein?

 

Das ist nicht so leicht zu beantworten und vor allem abhängig vom Empfänger des Exposés. Die meisten Agenturen und Verlage haben für neue Autoren, mit denen sie noch nie zusammen gearbeitet haben, relativ strenge Vorgaben für ein Exposé. Sieh dich also vor dem Schreiben am besten auf der Seite des Empfängers um. Im Normalfall liegt die angefragte Länge zwischen zwei und fünf Seiten. (Keine Normseiten!)

 

Wenn man bereits mit einer Agentur oder einem Verlag zusammen arbeitet, muss man als Autor nicht mehr mit so wenig Platz auskommen, trotzdem halte ich meine Exposés gerne kurz und prägnant, es gibt aber auch Autoren, die sehr gerne Exposés von 20 bis 50 Seiten schreiben und Lektoren, die das schätzen. Das ist wie so vieles eine Frage der persönlichen Vorlieben und der Arbeitsweise des Verlags bzw. des Autoren-Lektor-Gespanns.

 

Die Tipps, die ich hier im Artikel gebe, beziehen sich in der Regel auf Exposés mit einer Länge von drei bis fünf Seiten, so wie ich sie meistens schreibe.

 

Stil und Sprache

 

Für mich ist die lange Inhaltsangabe in sich selbst eine Geschichte, die ich frei runterschreibe, so kann ich am besten die Essenz meiner Geschichte einfangen und meinem Schreibstil treu bleiben. Oft komme ich dabei genauso in den Flow, wie wenn ich an einer Szene meines Romans schreibe.

 

Ich persönlich halte meine Inhaltsangabe zwar eher schlicht und nüchtern, trotzdem steckt noch sehr viel von meinem typischen Schreibstil und dem darin, was mich als Autor ausmacht. Mein Rat wäre also: Verbiege dich in der langen Inhaltsangabe nicht. Versuch in der Rohversion erst mal, einen Text zu verfassen, der dir Spaß macht, damit fährst du in der Regel ziemlich gut. Unpassende Stellen lassen sich hinterher immer noch feinschleifen. Und: Du hast nichts zu verlieren, wenn der Spaß-Text dich nicht weiterbringt, musst du ihn ja nicht verwenden.

 

Tipps:

 

wähle eine einfache, nüchterne Sprache, in der du immer noch bequem schreiben kannst

verfalle nicht in Berichtsstil oder Beamtendeutsch

Lass dich nicht dazu verleiten, die lange Inhaltsangabe als Sachtext zu sehen

bring deinen Schreibstil und deine Persönlichkeit ein

schreibe die erste Version einfach zum Spaß

Zeitform und Perspektive

 

Die lange Inhaltsangabe wird üblicherweise im Präsens und in der dritten Person geschrieben, auch das ist jedoch kein Muss. Wenn du dich davon lösen willst, sollte das aber einen guten Grund haben und einer speziellen Wirkung dienen, die du damit erzielen willst. Meine liebe Kollegin Angelika Schwarzhuber schreibt ihre Exposés zum Beispiel gerne in der ersten Person, quasi als persönlich erzählten Bericht der Hauptfigur, was seinen ganz eigenen Charme hat und sicherlich hervorragend zu ihren Büchern passt.

 

Was mache ich bei mehreren Perspektiven?

 

Ich schreibe das Exposé genau wie den Roman wechselnd aus beiden Perspektiven, je nachdem, welche Figur gerade die größere Entwicklung bei einem bestimmten Ereignis durchmacht. Ich halte mich dabei nicht zwingend an die Perspektiven im Roman. Ein Ereignis, das ich im Roman aus seiner Perspektive geschildert habe, kann möglicherweise im Exposé aus ihrer Perspektive besser wirken.

 

Es ist aber auch möglich, das Exposé nur aus der Sicht einer einzigen Figur zu erzählen, auch dann, wenn man mehrere verschiedene Perspektiven hat. Im Fall eines Fantasy-Epos, das drei oder mehr Perspektiven hat, wäre das auch mein Mittel der Wahl. Ich würde mir die Figur raussuchen, die entweder die meiste Gewichtung im Roman hat, oder deren Geschichte und Entwicklung die Aussage des Romans am besten widerspiegelt.

 

Auch hier bitte daran denken: Das Exposé dient dazu, deinen Roman zu verkaufen. Wenn du dich also für eine Figur entscheiden musst und alle gleichwertig sind, nimm die Figur, die das Verkaufen deines Romans besonders einfach macht, weil ihre Geschichte besonders spannend oder mitreißend ist, oder weil das die Figur ist, mit der der Leser sich am besten identifizieren kann. Ereignisse, die in anderen Perspektiven stattfinden, kannst du trotzdem einfließen lassen.

 

Selbstverständlich kannst du ein Exposé auch aus der Sicht eines allwissenden Erzählers schildern, wenn das zu deinem Roman passt. Die Gefahr dabei wäre wahrscheinlich, dass man sehr sachlich wird, weil man keinen Bezug zu einer bestimmten Figur halten muss. Ein Lösungsansatz wäre, sich den Erzähler als echte Person vorzustellen, die die Geschichte miterlebt. Wenn es zum Buch passt, wäre hier auch wieder eine unkonventionelle Alternative, den Erzähler als Person tatsächlich ins Exposé einzubinden. Eine originelle Möglichkeit wäre auch, als Autor im Exposé aufzutreten und die lange Inhaltsangabe so zu erzählen, als stünde man gerade persönlich vor dem Lektor. Wenn es gut gemacht ist und zum Roman passt, kann das sicher sehr gut funktionieren.

 

Unerwartete Wendungen

 

Ich persönlich stelle die Handlung eines Romans genauso dar, wie sie passiert. Mein Ziel ist, dass der Lektor das Exposé so erlebt, wie der Leser später den Roman. Wenn ich also gegen Ende des Romans eine unerwartete Wendung plane, lege ich im Roman dafür Hinweise an. Manche Autoren geraten nun in Versuchung, diese Hinweise im Exposé zu erklären. Das braucht es nicht. Wichtig ist nur, dass die (wirklich wichtigen!) Hinweise auch ins Exposé aufgenommen werden, damit die unerwartete Wendung am Ende die gewünschte Wirkung entfalten kann.

 

Der Umgang mit Subplots

 

Ich glaube, die meisten Schwierigkeiten beim Schreiben eines Exposés entstehen durch einen aus dem Fokus geratenen roten Faden oder durch den Wunsch, alle raffinierten und lieb gewonnenen Subplots mit einzubinden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich dabei ziemlich übel verzetteln kann.

 

Wenn die Länge des Exposés keine Rolle spielt, kann man natürlich theoretisch alles einbinden, ich würde das wohl trotzdem nicht machen, sondern um des roten Fadens Willen versuchen, mich zu beschränken. Wenn man eine Höchstlänge für das Exposé vorgegeben hat, bleibt einem ohnehin meistens nichts anderes übrig, als Subplots wegzulassen.

 

Wie entscheidet man also nun, welche Subplots in das Exposé gehören?

 

Ein Subplot gehört ins Exposé wenn:

 

er für die Charakterentwicklung des Protagonisten unerlässlich ist

wenn er sich relativ unkompliziert einflechten lässt

wenn er hilft, dein Buch zu verkaufen

wenn er dein Buch zu etwas besonderem macht

wenn er die Genrezugehörigkeit deines Buches unterstreicht

 

Es gibt sicher noch weitere Gründe, warum ein Subplot ins Exposé aufgenommen werden sollte und es ist sicher nicht einfach zu entscheiden, welcher Subplot weggelassen werden kann.

 

Frage dich bei jedem Erzählstrang, den du in das Exposé aufnimmst:

 

ist er wichtig, um den Roman zu verstehen?

zeigt er, dass mein Roman / meine Figur etwas Besonderes ist?

will ich ihn nur drin haben, weil ich ihn so schön finde? (auch legitim, wenn das Exposé dadurch nicht zu lang wird)

trägt er irgendwie dazu bei, das Buch zu verkaufen?

macht der Subplot das Exposé unnötig kompliziert?

wäre das Exposé ohne diesen Subplot wirklich schlechter? Wäre es vielleicht sogar eindrucksvoller und gradliniger?

 

WICHTIG: Wenn du dich entschieden hast, welche Subplots in das Exposé hinein sollen, beachte bitte folgendes:

 

ein Subplot, den du im Exposé aufführst, sollte auch im Exposé einen Abschluss bekommen

ein Subplot sollte im Exposé die gleiche Gewichtung bekommen, wie im Roman, keinesfalls mehr

der Subplot darf die Genre-Einordnung des Romans nicht verzerren (Beispiel: ein Krimi-Subplot, der im Roman nur die Handlung unterstreicht, im Exposé aber sehr prominent wirkt, weil er zu oft erwähnt wird und dadurch den Anschein vermittelt, der Roman wäre ein Romantic Thrill, während es eigentlich Chick Lit ist.)

wenn du einen Subplot streichst, achte darauf, den ganzen Subplot zu streichen, nicht nur Teile davon

Der richtige Einstieg

 

Es ist nicht nötig, im Exposé die ganze Vorgeschichte des Romans zu erzählen. Vieles ist bereits aus Pitch und Figurenbeschreibungen bekannt, deswegen kannst du dich hier kurz fassen. In meinen Exposés steige ich meist mit dem ersten Konflikt zwischen den Hauptfiguren ein. Manche empfehlen, mit dem inciting incident einzustiegen, also dem Ereignis, das die Geschichte ins Rollen bringt, das ist kein schlechter Ansatzpunkt, kann meiner Meinung nach aber auch zu spät sein. Wenn du den Punkt gefunden hast, mit dem du einstiegen möchtest, schreibe höchstens einen Satz zu Ausgangsposition: wo sind die Figuren, wie ist die Grundsituation, welche Stimmung herrscht gerade?

 

Beispiel “Prinz Hakennase”

 

Der Roman beginnt mit einem Prolog, der Radhas schwieriges Leben in Indien zeigt. Danach springt der Roman zurück an den Anfang der Geschichte, man sieht Radha in New York, wie sie sich für eine Shoppingtour für die Party ihrer Eltern am Abend fertig macht.

 

Diese beiden Szenen sind für den Roman wichtig, weil sie Neugier wecken und gleich zu Anfang den Kontrast im Roman darstellen. Sie schaffen außerdem eine gewisse Stimmung. Für das Exposé sind diese beiden Szenen jedoch unnötig, sie müssen nicht zusammengefasst werden. Auch das Treffen danach mit Radhas Freundinnen ist unwichtig für das Exposé. Die erste relevante Szene ist die erste Begegnung von Radha und Krishan, beim Shoppen, wo sie sich ein hitziges Wortgefecht liefern und sofort der Konflikt zwischen den beiden deutlich wird. Diese Szene würde ich wohl als Einstieg in mein Exposé wählen.

 

Das richtige Ende

 

Während du beim Pitch durchaus einen Cliffhanger einbauen kannst, solltest du das bei der langen Inhaltsangabe auf jeden Fall vermeiden. Jeder Subplot muss aufgelöst werden, der rote Faden muss zum Abschluss gebracht werden. Enthalte dem Lektor keine unerwartete Wendung vor und biete für alle Rätsel, die du im Exposé erwähnst, eine Auflösung an. Der Lektor muss wissen, dass du tatsächlich in der Lage bist, die Geschichte zu einem zufriedenstellenden und passenden Ende zu bringen und dass du nichts vergessen hast.

 

Praktische Tipps

 

  1. Pitch und Figurenbeschreibungen zuerst schreiben

 

Wenn du das machst, hast du bereits eine ganz gute Vorstellung vom roten Faden deiner Geschichte.

 

  1. Schreiben einer Szenenzusammenfassung

 

Viele Autoren empfehlen, zuerst alle Szenen mit 2 bis 3 Sätzen zusammenzufassen, bevor man das Exposé schreibt, und diese hinterher einfach aneinander zu reihen und glatt zu schleifen. Eine solche Szenen-Zusammenfassung kann eine gute Hilfestellung sein, um den roten Faden zu finden und zu entscheiden, welche Subplots ins Exposé müssen.

 

Für mich eignet sich das nicht so, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele damit gut zurecht kommen. Rein gefühlsmäßig würde ich allerdings nicht die Kurzzusammenfassungen aneinander hängen, sondern sie lediglich als Vorlage und Übersichtsplan verwenden, anhand derer ich die lange Inhaltsangabe relativ frei runtererzähle. Aber auch das ist wieder Geschmackssache.

 

  1. Ereigniskette anfertigen

 

Für jeden meiner Romane erstelle ich an irgendeinem Punkt in der Planung eine Ereigniskette. Dabei schreibe ich einfach der Reihe nach auf, was passiert, und welches Ereignis unweigerlich darauf folgen muss, weil die Figuren nicht anders handeln würden. Das ist auch ein guter Test, ob der Ablauf des Romans bzw. die Handlungen der Figuren plausibel sind, oder ob noch Zwischenschritte fehlen. Diese Kette schreibe ich für die gesamte Handlung (roter Faden!) von vorne bis hinten auf.

 

Beispiel aus Prinz Hakennase:

 

Radhas Tante will sie zwingen, sich den Traditionen zu beugen

Radha kann nicht fliehen, also bleibt ihr nur, sich mit allen Mitteln dagegen aufzulehnen

Ihre Tante wird wütend, die alte Eifersucht kocht wieder hoch

Der Hass auf ihren Bruder projeziert sich auf ihre Nichte

Sie verheiratet Radha mit einem Unberührbaren

 

In meinen Ereignisketten liste ich nur auf, was wirklich für den Ablauf des Romans wichtig ist. Nur Ereignisse, die zur Haupthandlung und zur Charakterentwicklung beitragen. An dieser Ereigniskette kann man sich hinterher entlanghangeln und hat meistens auch nicht das Problem, dass man zu viele Subplots hat, die man im Exposé unterbringen möchte.

 

Fazit

 

Eine gute, lange Inhaltsangabe:

 

zeigt die Charakterwentwicklung deiner Figur am Inhalt deines Romans

ist eine komplette Angabe aller wichtigen Fakten, Ereignisse und unerwarteter Wendungen

lässt nichts offen (keine Cliffhanger!)

ist mitreißend geschrieben und spannend zu lesen

weckt Emotionen

spiegelt das Genre deines Romans wider

schafft Nähe zu den Figuren

bringt deine Leidenschaft rüber

ist eine Leseprobe für deinen Schreibstil

 

Und am allerwichtigsten:

 

Sie verkauft deinen Roman!

 

Ich hoffe sehr, auch mit dieser Folge konnte ich dir ein bisschen helfen. Wenn ja, dann freue ich mich sehr, wenn du es weitersagst. 🙂

Ich freue mich über Fragen und Kommentare. Lass mich wissen, falls ich etwas vergessen habe oder du immer noch Probleme hast. Vielleicht kann ich helfen.

 

Deine Alana

 

Weitere Folgen der Serie lesen

 

Teil 1: Was ist ein Exposé und wofür brauche ich es?

Teil 2: Was kommt ins Exposé? Gliederung und Kurzbeschreibung der Einzelpunkte

Exkurs: Ein Wort zum Genre

Teil 3: Wie schreibe ich einen Pitch /Kurzinhalt für ein Exposé

Teil 4: Warum Figurenbeschreibungen so wichtig sind

Teil 5: Das eigentliche Exposé / Die lange Inhaltsangabe

Teil 6: Feinschliff und Formatierung

 

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Ich hoffe, auch mit dieser Folge konnte ich dir helfen und würde mich freuen, dich bei Erscheinen der nächsten Artikel wieder hier zu sehen. 😉

 

Deine Alana

 

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