In den ersten Folgen meiner Serie “Wie schreibe ich ein Exposé” habe ich bisher erklärt, wie ich meine Exposés aufbaue und ans Schreiben herangehe. In dieser letzten Folge möchte ich euch nun noch ein paar Tipps für die Formalitäten und den Feinschliff geben.

Der Feinschliff des Exposés

Wenn ich das Exposé in der Rohversion fertig habe, prüfe ich es ganz besonders noch einmal auf diese Punkte:

 

Inhalt

Ergibt sich durch Kurzinhalt, Figurenbeschreibungen und lange Inhaltsangabe ein Bild, das wirklich zu meinem Roman passt und ihm gerecht wird?

Gibt es inhaltliche Wiederholungen? Kann man diese evtl. streichen?

Habe ich etwas Wichtiges vergessen, das unbedingt ins Exposé sollte?

Spiegelt das Exposé das Genre und die Atmosphäre meines Romans wider?

Ist die Handlung logisch und unkompliziert dargestellt?

Kann ich an manchen Stellen vielleicht geradliniger formulieren?

Wurden alle Andeutungen aufgelöst und alle unerwarteten Wendungen erwähnt?

 

Sprache

 

Fangen zu viele Sätze mit den im Exposé besonders gern genommenen Wörtern “doch”, “aber”, “dann” und “und” an?

Gibt es Endlos- oder Schachtelsätze?

Sind die Sätze so formuliert, dass sich die Handlung der Reihe nach abspielt? (Also nicht: Er lief davon, als er sah, dass die Tür sich öffnete, sondern besser: Als sich die Tür öffnete, lief er davon.) Das hilft im Exposé, wo sehr viel Handlung auf sehr wenig Raum erzählt wird, den Überblick zu behalten.

Habe ich irgendwo Beamtendeutsch benutzt?

Gibt es Sätze, die gar nicht zu mir und meinem Schreibstil passen?

 

Formatierung

 

Ist das Exposé sprachlich und inhaltlich fertig, muss es noch optisch angepasst werden.

Formalitäten erscheinen manchmal übertrieben, es sollte doch um den Roman gehen, um die Geschichte und die Figuren. Was für eine Rolle spielt es da, wie meine Unterlagen formatiert sind? Diese Frage stellt man sich als neuer Autor anfangs durchaus.

Die Antwort ist ganz einfach: ordentlich formatierte, vollständige Unterlagen machen einen professionellen Eindruck. Als ein Autor von Tausenden, die sich jedes Jahr bewerben, kann es durchaus einen Unterschied machen, ob ein Verlag oder eine Agentur dich für jemanden hält, mit dem man auf professioneller Basis zusammen arbeiten kann. Außerdem drückt es Respekt aus, sich vorher über die Einsendeformalitäten zu informieren und nicht einfach irgendwas einzuschicken.

Generell gibt es keine allgemeingültigen Vorgaben. Bitte sieh deshalb bei dem Verlag oder der Agentur, an die du dich wenden willst, auf der Internetseite nach, ob gewisse Anforderungen an die Formatierung gestellt werden.

 

Generelles zur Formatierung

Als neuer Autor lässt man sich gerne von den Angaben der Agenturen einschüchtern, dass ein Exposé nur eine bestimmte Anzahl von Seiten (meist 2 bis 5) haben soll. Natürlich sollte man versuchen, diese Angabe einzuhalten, aber letztendlich ist es doch der Inhalt der zählt und nicht, dass man die Seitenzahl ganz genau getroffen hat. Es ist natürlich nicht sinnvoll, fünf Seiten zu schicken, wenn drei angefordert sind. Aber wenn man statt 3 Seiten 3,5 schickt, sollte das kein Aussschlusskriterium sein. Ich gebe allerdings zu, ich habe auch schon Abende damit verbracht, mein Exposé in 3 Seiten zu pressen, statt dreieinhalb einzuschicken, und ich verstehe jeden, der das Bedürfnis hat. Also will ich dich nicht abhalten. 😉

Es gibt ein paar Formatierungstricks, die man anwenden kann, zum Beispiel um den letzten Satz doch noch auf die dritte Seite zu bekommen. Allerdings sollte man dabei immer darauf achten, dass das Exposé trotzdem angenehm lesbar bleibt. Das ist viel wichtiger, als am Ende vielleicht eine halbe Seite über der Vorgabe zu sein.

Ob und welche Tricks du einsetzen willst, bleibt dir überlassen, aber übertreib es nicht. Lektoren kennen diese Tricks und ärgern sich mit etwas Pech mehr darüber, als über ein etwas zu langes Exposé. Besonders, wenn das Exposé dadurch schwer lesbar wird.

 

Angaben zur möglichen Formatierung

Selbst wenn die Agentur oder der Verlag Vorgaben machen, beziehen sich diese selten auf die genaue Formatierung des Exposés, deswegen habe ich hier für dich eine mögliche Formatierung zusammen gestellt. Diese ist kein Muss und auch kein Standard, sondern eher mein Vorschlag für dich, wie du dein Exposé schön in Form bringen kannst.

Achtung: Ein Exposé wird im Gegensatz zur Leseprobe nicht in Normseiten formatiert!

Seitenentwurf: Ich persönlich nutze einfach eine gewöhnliche Worddatei, ohne besondere Einstellungen. Folgende Punkte passe ich an:

Schriftart: Meist ist von Agentur oder Verlag keine vorgegeben, wenn man Platzprobleme hat, kann man hier etwas schummeln und eine kleine Schriftart wählen, zum Beispiel Calibri statt Times New Roman. Dies ist der Trick, den ich noch am besten finde, da eine kleine Schriftart (in 12 p gesetzt) relativ viel Platz spart, aber trotzdem noch sehr gut lesbar ist.

Schriftgröße: Im Normalfall 12 p, bei einer größeren Schriftart geht auch mal 11 p. 10 ist zu klein!

Zeilenabstand: Wenn es dann noch gut lesbar ist, kann man hier 1 oder 1,5 nehmen, 2 ist im Normalfall zu viel.

Kopf- und Fußzeile: Ich schreibe in die Kopfzeile immer “Exposé: Arbeitstitel” und in die Fußzeile meine vollständigen Daten mit Adresse und E-Mail-Adresse, für den Fall, dass das Exposé ohne Anschreiben durch den Verlag oder die Agentur gereicht wird.

Seitenzahlen: Bitte gebt unbedingt Seitenzahlen an, damit es keinen Blattsalat gibt, wenn sich jemand des Exposé ausdruckt.

Einzüge: Keine

 

Beispiel-Exposé

 

Hier seht ihr, wie ich meine Exposés formatiere. Es bleibt euch überlassen, ob ihr das übernehmt oder ganz anders macht.

 

Arbeitstitel: Prinz Hakennase

Genre / Zielgruppe: New Adult / Märchenadaption / Junge Erwachsene / Die Leser von “Beastly”

Setting: New York und Indien in der Gegenwart

(Thema: Coming of Age)

Seitenzahl: ca. 300

Stand: Gesamtmanuskript vorhanden / 30 Seiten Leseprobe / In Planung

Fortsetzungsoption: Weitere Märchenadaptionen / Teil 2 ist in Planung / Spin Off mit Nebenfiguren

(Information zur Perspektive)

 

Kurzinhalt (Diese Überschrift kann man auch weglassen, wenn man zu wenig Platz hat, und den Kurzinhalt direkt unter die allgemeinen Angaben setzen.)

Nichts verbindet die 21-jährige Radha, die sich als New Yorkerin sieht und studieren möchte, noch mit ihren indischen Wurzeln. Als ihre Eltern sie mit einem standesgemäßen Inder verheiraten wollen, schlägt sie alle Bewerber mit Beleidigungen und schlechtem Benehmen in die Flucht. Zur Strafe wird Radha nach Indien geschickt, wo sie lernen soll, sich den Traditionen zu beugen. Doch Radha lehnt sich mit allen Mitteln auf, bis ihre Tante sie aus Wut verheiratet. An einen Unberührbaren, dessen elendes Dasein Radha von nun an teilen muss. Kann Radha sich damit abfinden, ihr Leben mit der harten Arbeit auf dem Feld zu verbringen? Und sind wirklich entstellende Narben der Grund, warum ihr Ehemann sein Gesicht mit Tüchern vor ihr verbirgt?

Die Figuren (ihr könnt auch “Personen” schreiben, verzichten würde ich auf “Chars” oder “Protagonisten”.)

Radha (21, Perspektivträgerin 1. Person Präteritum) ist als Tochter äußerst wohlhabender Eltern an der Upper East Side in Manhattan aufgewachsen und ein Leben in Luxus gewohnt. Modern und freizügig erzogen, genießt sie teure Kleidung und das New Yorker Nachtleben in vollen Zügen. Indische Traditionen bedeuten ihr nichts, sie empfindet sie als einengend. Indien ist für sie der Inbegriff der Rückständigkeit, weswegen sie am liebsten nichts damit zu tun haben möchte.

Krishan (23, Perspektivträger 1. Person Präteritum) ist als Sohn indischer Großgrundbesitzer teilweise in New York, teilweise in Indien aufgewachsen. Indien bedeutet ihm alles, er möchte Traditionen und Moderne verbinden. Auf dem Land seiner Familie setzt er sich für faire Arbeitsbedingungen, Bildungschancen und menschenwürdige Lebensumstände ein. Wenn er in New York ist, wo er studiert, lässt er sich gerne auf Partys blicken und ist auch einem gelegentlichen One Night Stand nicht abgeneigt.

Vorgeschichte / Hintergrundinformationen

Wenn es die unbedingt braucht, füge ich sie zwischen Figuren und Inhalt ein, weil ich es gut finde, wenn die Figuren schon bekannt sind, bevor es ans Eingemachte geht, es kann aber natürlich auch sinnvoll sein, sie vor den Figurenbeschreibungen einzufügen.

Inhalt:

Lange Inhaltsangabe vom tollsten Roman der Welt, der auf jeden Fall ein Bestseller wird, hier einfügen. 😉

Feinschliff abgeschlossen – was jetzt?

Lass das Exposé von Freunden testlesen und fordere sie dazu auf, es auf Herz und Nieren zu prüfen. Danach kannst du es überarbeiten, bis es wirklich sitzt und einsendereif ist.

Damit ist das Exposé fertig. Du hast es geschafft! Herzlichen Glückwunsch. Du kannst es nun zusammen mit deiner Leseprobe, deiner Vita und deiner Bibliografie an einen Verlag oder eine Agentur schicken. Anschreiben nicht vergessen. 😉

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Jetzt will ich’s wissen!

Konnte ich dem Horrorschocker “Exposé” etwas von seinem Schrecken nehmen?

Habt ihr jetzt durch die Serie ein vollständiges Exposé vorliegen?

Ist euch das Schreiben leichter gefallen als früher?

Habt ihr noch Fragen, die nicht beantwortet wurden?

 

Alle Folgen auf einen Blick

Teil 1: Was ist ein Exposé und wofür brauche ich es?

Teil 2: Was kommt ins Exposé? Gliederung und Kurzbeschreibung der Einzelpunkte

Exkurs: Ein Wort zum Genre

Teil 3: Wie schreibe ich einen Pitch /Kurzinhalt für ein Exposé

Teil 4: Warum Figurenbeschreibungen so wichtig sind

Teil 5: Das eigentliche Exposé / Die lange Inhaltsangabe

Teil 6: Feinschliff und Formatierung

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Ich hoffe, auch mit dieser Folge konnte ich dir helfen und würde mich freuen, dich bei Erscheinen der nächsten Artikel wieder hier zu sehen. 😉

 

Deine Alana

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Diese Serie zu schreiben, macht mir großen Spaß und die vielen Zuschriften, die ich als Reaktion bekomme, berühren mich sehr. Ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter und jeder Kommentar und jede Nachricht ist eine große Motivation für mich.

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