Wenn man einen Roman schreibt, den man einem Verlag anbieten will, muss man sich früher oder später die Frage stellen, ob sich der Roman in ein Genre einordnen lässt und wenn ja, in welches. Oft lässt sich das gar nicht so leicht beantworten und deswegen möchte ich euch heute einen kleinen Einblick in das Theme Genre und Genreliteratur geben, in der Hoffnung, euch mit meinen Gedanken zu diesem Thema etwas weiterhelfen zu können. Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass ich kein Experte bin, und es sicher nicht schaden kann, andere um ihre Meinung zu bitten.

 

Obwohl das Genre ein wichtiger Punkt im Exposé ist, hätte dieser Artikel meine Serie “Wie schreibe ich ein Exposé” gesprengt, weswegen ich ihn euch als eigenständigen Blogeintrag präsentiere.

 

Übersicht über den Artikel:

 

1. Genre, was ist das überhaupt?

2. Wofür ist das Genre gut?

3. Was ist ein Subgenre?

4. Wie wird ein Buch in ein Genre eingeordnet?

5. Genrekonventionen und Lesererwartung

6. Was ist Genreliteratur?

7. Warum lesen die Leute Genreliteratur?

8. Warum sind Genre und Subgenre für mich als Autor wichtig?

9. Soll ich Genreliteratur schreiben?

10. Wie kann ich mein Buch in ein Genre einordnen?

11. Muss ich mein Buch in ein Genre einordnen, wenn ich es einem Verlag anbieten will?

 

1. Genre, was ist das überhaupt?

 

In der Literatur gibt es zunächst verschiedene Gattungen, in die sich ein Text grob einordnen lässt. Neben den Großgattungen Lyrik, Dramatik und Epik lassen sich Texte noch weiter in verschiedene Gattungen einteilen. Bei erzählenden Texten (Epik) sind das zum Beispiel Kurzgeschichte, Novelle und Roman. Diese Unterscheidung wird vor allem anhand der Textlänge gemacht, es gibt natürlich auch große strukturelle und erzähltechnische Unterschiede, die Einteilung sagt aber nichts über den Inhalt aus.

Um eine Aussage zu treffen, wo der Roman inhaltlich einzuordnen ist, bedient man sich nun der verschiedenen Genres. Ein Genre ist also eine Kategorie der Literatur, in die ein Roman inhaltlich eingeordnet werden kann. Zusätzlich gibt es noch Unmengen an Subgenres, dazu später mehr.

 

Beispiele für Genres in der Unterhaltungsliteratur: Thriller, Fantasy, Erotik

 

2. Wofür ist das Genre gut?

 

Auf der Suche nach einem neuen Buch hat man meistens eine bestimmte Vorstellung, was man lesen möchte. Die Genreeinteilung hilft dabei, die Masse an Büchern grob einzugrenzen. Wer Fantasy lesen möchte, braucht sich mit den Büchern, die als Thriller eingeordnet sind, gar nicht erst zu befassen, und andersrum. Außerdem spielt das Genre eine wichtige Rolle bei der Bewertung, wie groß die Zielgruppe eines Romans wahrscheinlich ist, und ist daher wichtig für Verlage, um sich für oder gegen ein Manuskript zu entscheiden. Dazu später mehr.

 

3. Was ist ein Subgenre?

 

Innerhalb eines Genres lassen sich Bücher noch bestimmten Unterkategorien zuordnen, den sogenannten Subgenres. Wer sich schon mal mit Fantasy beschäftigt hat, weiß, dass viele der als Fantasy bezeichneten Bücher inhaltlich so gut wie nichts miteinander gemeinsam haben. Tolkiens “Herr der Ringe” (High Fantasy) kann ebenso als Fantasy bezeichnet werden wie Twilight (Romantasy), hat damit aber so gut wie keine Berührungspunkte. Ein Leser, der “Herr der Ringe” mochte und etwas ähnliches sucht, steht vor einer Vielzahl an Fantasytiteln, von denen die meisten nicht annähernd so sind wie “Herr der Ringe”. Hier kommt das Subgenre ins Spiel. Hat der Leser die Möglichkeit, sich nur Titel anzusehen, die in das Subgenre “High Fantasy” eingeordnet werden, kommt er schneller und höchstwahrscheinlich zufriedenstellender ans Ziel.

 

Beispiele für Subgenres im Bereich Fantasy: High Fantasy, Urban Fantasy, Paranormal Romance

 

4. Wie wird ein Buch in ein Genre eingeordnet?

 

Ein Buch, das sich in ein bestimmtes Genre einordnen lässt, hat mit anderen Büchern desselben Genres gewisse Eckpunkte gemein. Sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner, den alle Bücher dieses Genres erfüllen. Alle Geschichten, die sich in Fantasy einordnen lassen, besitzen eine übernatürliche Komponente oder spielen in einer fiktiven Welt. Bei der Einteilung in die großen Genres reicht also oft schon ein einziges Merkmal. Möchte man ein Buch nun in ein Subgenre einordnen, gibt es meistens mehrere Merkmale, die in einer Geschichte vorhanden sein müssen. Happy End, Liebesgeschichte, übernatürliche Elemente, Humor, all das können Anhaltspunkte für die Einordnung in ein Subgenre sein. Natürlich ist es möglich, dass ein Buch in mehrere Subgenres passt, dann kann man nach den vorherrschenden Merkmalen entscheiden oder das Buch einfach in beide Subgenres einordnen.

 

5. Genrekonventionen und Lesererwartung

 

Je tiefer man in ein Subgenre hineingeht, desto mehr Eckpunkte gibt es, die der Leser eines Genres unbedingt vorfinden möchte, weil er genau diese Eckpunkte an einem Roman mag und sie ihm für ein zufriedenstellendes Leseerlebnis wichtig sind. Diese Eckpunkte, die sogenannten Genrekonventionen, darf man aber nicht als einengende Grenzen verstehen. Nur weil eine Geschichte im Subgenre erotischer Liebesroman unbedingt ein Happy End haben muss, bedeutet das nicht, dass jeder Raum für Originalität und Individualität verlorengeht. Das Happy End ist nur ein winziger Teil der Geschichte und auf dem Weg dahin bleibt genug Platz für neue Ideen und interessante Figuren.

 

Ich als Leser solcher Liebesromane möchte auch im Normalfall keine ausufernden Subplots, die von den Hauptfiguren und von der Liebesgeschichte wegführen. Die Liebesgeschichte soll das zentrale Thema sein, es darf daher nur wenige Szenen geben, die sich nicht damit befassen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Roman oberflächlich sein soll. Im Gegenteil. Liebesgeschichten mit vielschichtigen Figuren, einer guten Charakterentwicklung und ernsten Themen sind heute so begehrt wie noch nie und genau das macht auch für mich den Reiz guter Liebesromane aus.

 

6. Was ist Genreliteratur?

 

Genreliteratur bezeichnet Texte, die alle Konventionen eines Genres, und damit die Lesererwartung in diesen Punkten, erfüllen. Wer einen erotischen Liebesroman liest, verlangt eine gute Portion Erotik und ein Happy End. Wer einen Krimi liest, erwartet, dass der Kriminalfall auch aufgelöst wird. Wer Love and Landscape liest, erwartet neben Romantik auch exotische oder außergewöhnliche Settings. Bekommt der Leser das nicht, ist er enttäuscht. Und zurecht.

 

7. Warum lesen die Leute Genreliteratur?

 

Da ich selbst Genreleser bin, möchte ich diesen Punkt hier auch noch kurz ansprechen und aus meiner ganz persönlichen Sicht beantworten: Ich liebe Genres nicht, weil die Geschichten alle gleich sind. Im Gegenteil. Bei aller Liebe für ein Genre will ich trotzdem originelle Geschichten. Nein. Ich liebe Genreliteratur, weil sie in mir ein ganz bestimmtes Bedürfnis befriedigt, das ich beim Lesen suche. Das kann die Lust nach Spannung sein (Thriller), nach Herzschmerz (historischer Liebesroman) oder Romantik mit einer ordentlichen Portion Humor (Chick-Lit). Ich bin dann auf der Suche nach einer ganz besonderen Stimmung, will beim Lesen etwas ganz Bestimmtes fühlen. Subgenres bieten mir die Sicherheit, auch wirklich zu bekommen, was ich will, ohne lange danach suchen zu müssen.

 

Die Leser von Genreliteratur wissen also genau, was sie wollen, und Genreliteratur bietet ihnen das. Das ist meiner Meinung nach der Grund für den großen Erfolg der Genreliteratur.

 

8. Warum sind Genre und Subgenre für mich als Autor wichtig?

 

Wenn man nur für sich schreibt, muss man sich nicht mit Genres beschäftigen. Wenn man aber die Veröffentlichung eines Romans anstrebt, ist es hilfreich zu wissen, welche Zielgruppe man damit ansprechen will. Denn nur ein Roman mit einer ausreichend großen Zielgruppe, also mit möglichst vielen potenziellen Käufern, wird auch von einem Verlag ins Programm genommen. Man kann zwar auch mit Nischenliteratur erfolgreich sein, aber gerade in der Nischenliteratur sind die Leser oft noch viel mehr auf ein bestimmtes Genre und dessen Konventionen festgelegt.

Das Genre ist also deshalb wichtig, weil es Rückschlüsse auf die zu erwartende Zielgruppe eines Romans zulässt. Dies nutzt der Verlag, um zu bewerten, ob ein Roman sich wirtschaftlich überhaupt lohnen kann. Natürlich können auch Romane ohne festes Genre sehr erfolgreich sein, hier muss der Verlag dann anhand anderer Kriterien bewerten, ob es für den Roman eine Zielgruppe gibt.

 

9. Soll ich Genreliteratur schreiben?

 

Besonders in den letzten Jahren verkauft sich Genreliteratur ziemlich gut. Es gibt deshalb viele Autoren, die sich fragen, ob Genreliteratur auch für sie der Weg zum Erfolg sein kann, obwohl sie damit bisher keine Erfahrung haben. Meine Antwort ist ganz klar: Jein. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als einen Autor, der sich zwingt, Romance zu schreiben, obwohl er Liebesgeschichten hasst. Aber es kann sicher nicht schaden, sich durch ein paar erfolgreiche Genres zu lesen und herauszufinden, ob man sich für eines davon begeistern kann. Dann spricht auch absolut nichts dagegen, sich an einem Roman in diesem Subgenre zu versuchen. Besonders wichtig ist es dann, viel aus dem Subgenre zu lesen, um die Lesererwartungen und damit die Genrekonventionen kennenzulernen.

 

10. Wie kann ich mein Buch für das Exposé in ein Genre einordnen?

 

Auch wenn man sich als Autor mit Genres und Subgenres gut auskennt, ist es oft gar nicht so einfach, das eigene Buch für das Exposé richtig einzuordnen. Es gibt mittlerweile eine große Masse an Subgenres und die Begriffe werden nicht immer einheitlich verwendet. Das Subgenre “historischer Liebesroman” wird zum Beispiel von vielen auf Bücher wie “Die Wanderhure” angewendet, stammt aber eigentlich aus dem Englischen und leitet sich von “Historical Romance” ab. Dieses sehr eng gefasste Subgenre hat mit Büchern wie “Die Wanderhure” so gut wie gar nichts zu tun, außer dass eine Liebesgeschichte vorkommt und beides in der Vergangenheit spielt. Im Amerikanischen ist diese Trennung eindeutig. Wenn man von “Historical Romance” spricht, weiß jeder, was gemeint ist. Im Deutschen ist das leider anders, was oft zu Verwirrung führt.

 

Wenn ihr euch unsicher seid, wo ihr euer Buch einordnen sollt, sucht nach ähnlichen Büchern und schaut nach, wo diese eingeordnet wurden. Ein Besuch im Buchladen kann dafür hilfreich sein, muss aber meist durch Onlinesuche ergänzt werden, da Subgenres im Buchhandel meist leider keine ausreichend große Beachtung finden. Außerdem ist es hilfreich, in einschlägigen Online-Nachschlagewerken Artikel zum Thema Genre in der Literatur zu lesen. Bei den meisten Literaturgenres findet sich eine Aufstellung der bekanntesten Subgenres. Wenn ihr euch trotzdem nicht sicher seid, bittet andere Autoren um Rat. Fragt sie, welches Subgenre sie für passend halten oder was sie sich unter dem von euch ausgewählten Subgenre überhaupt vorstellen.

 

Um nicht zu riskieren, dass der Roman auf den Ablagestapel wandert, weil das (falsch) ausgewählte Subgenre vom Verlag nicht gesucht wird, würde ich die Genrebezeichnung im Zweifelsfall lieber etwas weiter fassen und es dem Lektor überlassen, sich für ein Subgenre zu entscheiden, in das der Roman passt.

 

11. Muss ich mein Buch in ein Genre einordnen, wenn ich es einem Verlag anbieten will?

 

Bei Genreliteratur lautet die Antwort ganz klar: Ja.

 

Es gibt aber immer wieder Bücher, die sich einfach nicht in ein Genre einordnen lassen. Der Grund kann sein, dass es sich um einen Genremix handelt. In diesem Fall kann man das auch so angeben. (Fantasy-Krimi). Hier ist allerdings zu beachten, dass ein Genre-Mix es oft nicht leicht hat. Wenn eines der beiden Genres überwiegt, kann es sinnvoller sein, lieber nur dieses anzugeben. Auch hier hilft vielleicht die Meinung befreundeter Autoren.

 

Möglich ist auch, dass das Buch aus allen bekannten Genres rausfällt. Dann hat es auch nicht viel Sinn, es mit Gewalt in ein bestimmtes Genre zu pressen. In so einem Fall kann man innovativ sein und sich zum Beispiel selbst ein witziges Genre ausdenken, das noch nicht existiert. Man kann statt Genre aber auch einfach nur die Zielgruppe angeben und dazu schreiben: Richtet sich an die Leser von Buch XY. (Nach Möglichkeit ein Buch, das bekannt ist und sich sehr gut verkauft.) Als Ergänzung kann man im Exposé neben Genre und Zielgruppe auch das zugrundeliegende Thema das Romans nennen. Selbstfindung, Coming of Age oder dergleichen. Dies kann auch nützlich sein, wenn man einen Roman in einem sehr weit gefassten Genre anbietet, zum Beispiel als historischen Roman.

 

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel einen Überblick über das komplizierte Thema Genres und Subgenres in der Literatur vermitteln und euch ein wenig dabei helfen, die richtige Entscheidung für euer Exposé zu treffen.

 

Eure Meinung ist gefragt!

 

Wie sieht es bei euch aus, schreibt ihr eindeutige Genres, Genremix oder vielleicht Romane, die sich gar nicht einordnen lassen? Lest ihr gerne Genreliteratur oder lieber Bücher, die nirgendwo so richtig reinpassen?

 

Eure Fragen sind erwünscht!

 

Dir brennt schon lange eine Frage zum Exposé auf der Seele? Lass es mich wissen, vielleicht kann ich es in die Serie einbinden oder mit einer Antwort weiterhelfen, auch wenn ich sicher kein Experte bin. 😉

 

Es hat dir gefallen? Dann freue ich mich, wenn du es weitersagst! 🙂

Eure Alana

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